| Autor: Hanspeter Krellmann
Schönbach, Dieter * 18. Febr. 1931
in Stolp/Pommern. Schönbach stud. Kompos. bei G. Bialas an der Nordwestdeutschen
Musik-Akad. in Detmold (1949-1955) und bei W.Fortner an der Staatl. Hochschule
für Musik in Freiburg/Breisgau (1957-1959). Als Instrumentalist spezialisierte
er sich auf der Trp. 1959-1972 leitete er die Schauspielmusik am Schauspielhaus
Bochum. Seitdem lebt er als freier Komp. in Bochum. 1959 erhielt er den
ersten Preis der Società Italiana di Musica Contemporanea (SIMC)
für sein in Rom uraufgef. Canticum Psalmi Resurrectionis, 1960 den
Musikpreis der Stadt Recklinghausen. 1962 war er Stipendiat der Villa
Massimo in Rom und erhielt den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen,
sowie 1964 einen weiteren ersten Preis der SIMC für die LYRISCHEN
GSGE. II. Für seine Schauspielmusik zu CALIGULA (Camus) wurde Schönbach
1961 der Kritikerpreis der Stadt Wien zuerkannt.
Werkauswahl 1957 bis 1977
( früher bei Peters. Ffm., ersch., wenn nicht anders angegeben): Canticum Psalmi Resurrectionis für Sopr. u. Instr. (1957),
Wien, UE; Farben u. Klänge f. Orch. in memoriam W. Kandinsky
(1958); Konz. f. Trp. in F u. Kammerorch. (nach D. Scarlatti;
1958), Bärenreiter-Kassel. Come Santo Francesco predicò agli
Uccelli f. Sopr. u. Instr. (1959); Kl.-Konz. Variationen in Tala ( 1960);
Ritornelle f. Orch. (1961); Lyrische Gsge. (Elisabeth
Borchers) I f. Mezzosopr. u. 14 Instr. (1961) u. II für Mezzosopan
u. 2 Kl. (1963); « Pour Varsovie für Orch.» (1963);
Entré f. Orch.(1964);(mit Günter Weseler) Hoquetus f. 8 Bläser
(1964); (m. dems.) Canticum Psalmi ad Laudes für Sopr. u. Instr.
(1964); (m. Edmund Kieselbach) Chant Liturgique, Hommage à Perotin
f. Chor u. Orch. (1964) 54mal Orgel, Atemmusik 2 für Org. (1965);
Canzona da sonar I für. Str. (1966); (m. G. Weseler) Canzona da sonar
2 f. Kammerensemble (1967); (mit M.Vetter) Canzona da s. 3 für Sopr.-Blockfl.,
präpariertes Kl. u. Tonband (1967), Celle, Moeck; Canzona da sonar
4 für Kammerensemble (1967); Die Geschichte v. einem Feuer (E. Borchers),Multimedia-
Oper (1968 Kiel; Neufassung 1969 Münster), Celle Moeck, (m. Otto
Piene) Canzona da sonar 5 für Sopr. u. Environment 1969 Spoleto);
(m. E. Kieselbach) Der Sturm (nach W. Shakespeare), Multimedia-Spiel für
Sprecher, Musiker, kinetische Objekte, Projektionen, Wind und Tonträger
(1970 Maifestspiele Wiesbaden); (mit G. Weseler) Canzona da sonar 6, Multimedia-Spiel
(1971 Hannover); Hymnus I für Sprecher, Sänger, Chöre,
eine Pop- Gruppe, Projektionen, Filme, Großplastiken u. Tonträger
(1971 Stadtfestival Wuppertal). „ Hysteria – Paradies schwarz“
(Dieter Wellershoff und 5 Mitarbeiter), Multimedia-Oper (1971 Köln);
„Hymnus II“, Morgen nach dem Feuer, Multimedia-Spiel (1972
München); Canzona da sonar 8 „Birds“ f. Sopr.u. Vogelstimmen
(1974); Come santo Francesco II (n. Fragmenten v. A. Scarlatti), Kammerspektakel
für Sprecher, Sänger, Tänzer, Multivision und Kammerorch.
(1977). Ferner über 200 Bühnenmusiken. Musik seit 1945, Stg.
1972, 453f.
Schönbach hat in seinen frühen Kompositionen modifiziert
dodekaphonisch gearbeitet und eine zunächst eklektizistische, in
ihrer Klangwirkung dabei originelle und in ihrer ernsten, gediegenen Faktur
stets überzeugende Musik entworfen. Das Orchesterwerk "Farben und
Klänge", in dem Bilder Kandinskys quasi-strukturell in Klänge
umgesetzt sind, signalisiert bereits seine Affinität zu optischen
Phänomenen. Aus der sich anschliessenden Zusammenarbeit mit Weseler
ergaben sich Wechselbeziehungen zwischen der klanglichen und der visuellen
Ebene, wobei Weseler für Schönbach grafische Partituren mit
bildlichem Eigenwert konzipierte. Schönbach adaptierte auch alte
Techniken (Hoquetus) und Kompositionsmodelle und verwendete maschinelle
Industrie-Geräusche.Diese Tendenz zu einem mus. Pluralismus-Verhalten
unter Einbeziehung gattungsübergreifender Kunst-Elemente, vornehmlich
der bildenden Kunst, hat Schönbach folgerichtig zu ganzheitlichen
Kreationen gebracht. Zuletzt hat Schönbach sich mit tonlosen seriellen
Bildfolgen nach kinematographischem Prinzip in U-Bahnschächten beschäftigt.
Literatur bis 1972
H. Koch, Theater als idealer Arbeitsplatz, Besuch bei Schönbach,
im Westfalen-Spiegel Nr.11, 1961.
D. Gojowy , Multimedia und grafische Komposition Schaffen von Dieter Schönbach
in „Musik und Bildung.
D. Gojowy , Die U-Bahn fährt plötzlich durch Wasser in MELOS
41, 1972.
G.Weseler: Der optische Klang Aus Vortragsnotizen
zur Zusammenarbeit mit MUSIK u. BILDUNG II 1961.
H. Krellmann, Die Verschmolzenen Medien. Zur Musik
Dieter Schönbachs in SICA 24, 1970.
W. Schwarz, Dieter Schönbach, ein pommerscher Komponist der neuen
Musik in: POMMERN, KUNSTGESCHICHTE Nr.2 Jg.XI.Kiel 1973.
H. Vogt , Neue Musik seit 1945, Stg. 1972, 453f.
Quelle: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Band 16, Bärenreiter,
1979
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